A u f   r i c h t i g e r   F ä h r t e



Wie erzählt man die Geschichte einer Stadt? 1000 Jahre mit Höhen und Tiefen, mit großen Ereignissen und  bemerkenswerten Nebensächlichkeiten? Eine Geschichte, die keinen klassischen „Show down“ besitzt und in der es keinen Helden gibt, mit dem man sich identifizieren kann? Ein Millennium in 90 Minuten?

 

Es sind Epochen, von denen es da zu berichten gilt, die großen Wellenbewegungen der Zeit, - das wurde bereits im ersten Gespräch mit der Regisseurin deutlich.

Aber - wo beginnt ein Zeitraum, welche Eigenheiten zeichnen ihn aus und was markiert sein Ende?

Vier Monate Recherche folgten: stöbern im Stadtarchiv, Interviews mit Historikern, durchforsten von Büchern, Anmerkungen, Stoffsammlungen, Randnotizen, Fragen über Fragen. Wesentliches musste vom Unwesentlichen unterschieden werden und außerdem brauchte es Einzelschicksale, eng verwoben mit und exemplarisch für ihre Zeit. Wir wollten doch keine Jahreszahlen aneinanderreihen, sondern berühren und spüren lassen. Theater braucht das!




Starke Energie wurde frei und bescherte mir aufwühlende Tage und geistig rege Nächte mit wenig Schlaf: wie soll die Bühne aussehen? Welche Materialien eignen sich? Woraus sind die Vorlagen, die dann zu Schattenbildern werden? Wo sind sie untergebracht?

Die Idee, alles aus einem Buch heraus zu berichten, wurde zum zentralen Element der Gestaltung. Groß sollte es sein und der Mittelpunkt der Bühne, sozusagen eine „Chronik des Jahrtausends“. Dadurch war klar: es braucht einen Tisch, mehr noch: eine Art Altar, auf dem es liegen soll mit ausreichend Platz zum Umblättern.

Aber was passt in ein Buch hinein? Auch wenn es dick ist bleibt der Raum zwischen den Seiten dünn! Faltbare Modellen aus Pappe wären denkbar und damit könnten wir die Grundsituation der Stadt aufzeigen: die Kirchen auf den Hügeln und das gemeine Volk unten zu Füßen!

Aus welchen Einzelteilen besteht der Dom? Vier Türme, das war klar und sonst? Dann das Kloster auf dem Michelsberg und das Rathaus. Welche Figuren braucht es? Den Kaiser ohne Frage und vielleicht sein Hofmeister, jemand, dem er seine Befehle zuraunen kann für einen spielbaren Dialog. Aber er soll sich auch wegdrehen können in Momente des Nachdenkens. Also eine dreidimensionale Figur? Unter dem Tisch ist auch noch Platz!

Und was ist mit Geräuschen und Klängen, die Authentizität und Hintergrundstimmung vermitteln? Um Mitternacht auf dem Domplatz die Autos stoppen um die Glockenschläge des Doms aufzunehmen. Rennende Füße auf Kies für die Flucht des Königsmörders, den betäubende Lärm der Flugzeuge für die Bombennächte des Krieges aus dem Archiv bestellen…

 

Und das Bier? Die Geschichte dieser Stadt kann nicht erzählt werden ohne das Labsal ihrer Bewohner! Bereits im 11. Jahrhundert haben die Mönche mit diesem Trunk die Fastenzeit überstanden! 

 

Wir haben eine Lösung gefunden. Eine gute!

Aber die wird hier nicht verraten!